Freiheit und Natur

Dienstag, 9. März 2010
Es ist kein Zufall, dass die ersten Beispiele von Personen, die ihr Leben in Freiheit gestaltet haben, solche sind, die die Natur als ihr Zuhause gewählt haben. Der Einfluss der modernen, produktionsorientierten Konsumgesellschaft ist fast allgegenwärtig. Menschen, die innerhalb ihrer Schranken nach Freiheit streben, sehen sich einer gewaltigen Herausforderung gegenüber und verlieren allzuleicht den Mut oder gar den Glauben, eine freie Gesellschaft wäre möglich. Der einzige Ort, der sich ihrem Einflussgebiet entzieht, ist die freie Natur. Frei kann man nur sein, wenn man aktiv an der Schaffung der Gesellschaft, in der man lebt, beteiligt ist und nicht von ihren starren Institutionen beherrscht wird. Das ist aber nur möglich, wenn die Gesellschaft nicht so groß wird, dass sie eine zentralisierte Verwaltung wie einen Staat benötigt, um existieren zu können, was ein naturnahes Leben nahelegt.

Die Entwicklung von Massengesellschaften war auch immer mit der Entstehung fester hierarchischer Strukturen verbunden. Aus den zumeist egalitären, non-hierarchischen Jäger-und-Sammler-Gesellschaften entwickelten sich mit zunehmender Größe der Gemeinschaft größere Stämme und damit auch Hierarchien um die gewachsene Population zusammenzuhalten. Einen vorläufigen Höhepunkt findet diese Entwicklung in der heutigen Industriegesellschaft, in der die meisten Menschen von ökonomischen Gegebenheiten in ihre Rollen gezwängt werden.
Eine freie Gesellschaft kann nur dort existieren, wo sich jeder Einzelne direkt, ohne vermittelnde Instanzen wie „Vertreter des Volkes“, in die Gesellschaft einbringen kann und Entscheidungen im Konsens getroffen werden, also keine Herrschaft der Mehrheit besteht. Aber auch das ist kein Garant dafür, dass die Menschen in einer solchen Gesellschaft frei sind, denn im Gegensatz zu dieser äußeren Art der Freiheit, also der Abwesenheit von externen Zwängen, muss man sich auch innerlich freimachen von der Konditionierung, die man im Laufe seines Lebens antrainiert bekommen hat.

Man muss die autoritären Regeln der modernen Gesellschaft erst verlernen, bevor man sich daran macht, eine bessere Gesellschaftsordnung aufzubauen, egal, ob diese in der Natur oder im Kontext der modernen Zivilisation entstehen soll - alles andere ist aussichtslos und kann nur die Fehler der Vergangenheit wiederholen.
Niemand ist bei diesem Vorhaben ein besserer Lehrmeister, als die unberührte Natur, die sich, wenn sie belassen wird, wie sie ist, perfekt selbst reguliert.